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Kurztripp Ostslowakei: Hinzu alleine durch Polen, rückzu zu dritt durch Tschechien

Zu dritt wollen wir einen Freund in Lipany, in der Nordostslowakei besuchen. Gar kein so kurzer Weg, das sind immerhin knapp 800km. Meine zwei Freunde machen bereits zwei Tage eher los, durch Tschechien. Da ich die Strecke Dresden - Prag - Brno - Bratislava durch meinen Budapest-Trip schon kenne, entscheide ich mich dafür, durch Polen zu trampen (Dresden [D] - Görlitz [D] - Wroclaw [PL] - Kraków [PL] - Nowy Sacz [PL] - Stará L'ubovna [SK] - Lipany [SK]). Die Strecke ist zwar um die 100km kürzer, aber durch die Gebirgsstraße kurz vorm Ziel auch deutlich schwieriger zu trampen, was sich später bestätigen wird.

Mittags geht's dank Semesterticket erstmal mit Zug und Bus über Radeberg zu einem günstig gelegenen Rastplatz an der A4 bei Bretnig. Da die Deutschen aus irgend einem Grund ihre Rastplätze gerne komplett umzäunen und ich - anders als in Ruhland - von dort noch nie getrampt bin, bin ich zunächst gespannt, ob ich ohne Probleme raufkomme. Doch ich habe Glück: Bald schon finde ich ein Loch im Zaun - da waren wohl vor mir schon Tramper unterwegs gewesen.

Ich muss nicht lange rumfragen. Bald schon nimmt mich eine junge Frau, die alleine unterwegs ist in ihrem schwarzen Audi mit. Sie fährt lediglich nach Bautzen, aber kann mich so auf den größten Rastplatz (Oberlausitz) des gesamten deutschen Streckenabschnitts mitnehmen. Unterwegs ruft ihre Schwester aus München an, die alles andere als begeistert ist. Nicht mal meinen Personalausweis hat mich ihre Schwester zeigen lassen! Aber ich hätte ihn dabei, und meinen Namen kann ich ebenfalls verraten. Meine Fahrerin findet es auch ziemlich schade, dass Trampen "heute so kaputt geredet wird". Was soll ich sagen? Wir arbeiten daran.

Auf dem Rastplatz Oberlausitz findet sich bald ein Mitarbeiter einer deutschen Drogeriekette, der Filialen in Polen aufbaut. Da es sich um einen Dienstwagen handelt, darf der gute Mann leider niemanden mitnehmen. "Kein Problem, ich find schon wen", meine ich. Und doch sitze ich Minuten später neben ihm. Wird schon niemand rausfinden.

Es stellt sich heraus, dass zwar die Filialen in Deutschland immer weniger werden, dafür aber in Polen dank EU-Osterweiterung fast täglich welche hinzukommen. Zudem seien Polen viel bessere Menschen als Tschechen. Nun gut, diese Meinung liegt wohl daran, dass ihm bei seinem ersten (und letzten) Einsatz in Tschechien sein Dienstwagen vom Hotelparkplatz geklaut wurde.

Bald darauf sitze ich in einem slowakischen LKW voller Dachziegel, der mich bis nahe Wroclaw fährt. Dort finde ich einen IT-Experten aus Krakau, der - wie ich - gerade aus Dresden kommt. Seine Firma hat dort eine Zweigstelle, genauso wie in Frankfurt/M. Er kann nicht verstehen, warum die Dresdner Mitarbeiter trotz Bonus und höherem Gehalt nicht nach Franfurt ziehen wollen. Ich schon.

Und weil das noch nicht genug Zufall ist, stellt sich außerdem heraus, dass er schon mit einem meiner Professoren an der TU Dresden zusammengearbeitet hat, und zwar an einem staatlich geförderten IT-Projekt, das zur einen Hälfte von meiner Universität und zur anderen von seiner Firma durchgeführt wurde. Und so bin ich schon nach 9h in Krakau, sehr zum Erstaunen meines Fahrers, der selber ganze 5h Fahrt hinter sich hat.

Da ich zuvor noch nie in Krakau war, schaue ich mich erstmal ein wenig in der Stadt rum. Dank engagierter Hilfe einer jungen Krakauerin finde ich dann auch den Bahnhof. Es ist bereits kurz vor Mitternacht und ich bin völlig erschöpft. Also suche ich mir den erstbesten Nachtzug, der mich bis nach Brzesko bringt, wo ich mir in einem Feld ein "gemütliches" Plätzchen zum Übernachten suche. Nachts werd ich kurz von einem Fuchs geweckt, der mich mit großen Augen anschaut. Aber auch er hat bald das Interesse an mir verloren.

Am nächsten Morgen geht's dann weiter, wobei ich das Glück habe von einem polnischen Schrotthändler, der ein wenig Deutsch spricht, mitgenommen zu werden, der mich erstmal zu seinem Schrottplatz fährt, wo ich mich bei einem Morgenkaffee im Chefsessel einige Zeit mit seinem Sohn auf Englisch unterhalte, während die anderen einen LKW samt Anhänger voller Schrott beladen, mit dem ich dann bis nahe Nowy Sacz mitfahre.

Mit diversen Polen komm ich dann ohne Probleme zur Grenze, von einer polnischen alten Dame abgesehen, die mir unbedingt zur Bushaltestelle schicken will ("No zloty - no autobus"), vor der mich aber zum Glück ein netter Pole rettet, mit dem ich dann auch einen kurzen Stopp im Gebirge einlegen um die Landschaft ein wenig zu genießen. Schließlich lande ich nach einiger Zeit vor einem Zigeunerstadtteil in Stará L'ubovna kurz vor Lipany, wo ich auf der serpentinenreichen Landstraße allerdings keine Stelle mehr zum Trampen finden kann. Hinzu kommt, dass die Slowaken hier wie auf einer Autobahn zu rasen scheinen. Nach etlichen Kilometern Fußmarsch (mit Rucksack im Gebirge) verlässt mich die Kraft, so dass ich die letzten geschätzten 6km (von Pusté Pole) für 70ct per Bus fahre.

Nach einem schönen verlängerten Wochenende in Lipany und Stará Lubovna (diesmal aber komplett per Bus) geht's danach zu dritt mit dem Zug nach Prešov. Ziel ist es, möglichst flott und ohne sich zu trennen die Strecke Poprad [SK] - Zilina [SK] - Bratislava [SK] - Brno [CZ] - Praha [CZ] - Dresden [D] hinter sich zu bringen.

Trotz Regen findet sich eine gute Tankstelle gen Westen und ein netter Fahrer, der uns prompt nach Poprad mitnimmt. Und auch bis Bratislava geht's ohne Probleme mit mehreren nette Slowaken mit viel Platz bis nach Bratislava. Dort an der Tankstelle ist allerdings so gut wie nichts los, so dass wir uns letztendlich dazu entschließen, mit zwei ziemlich verrückten Kerlen, die schließlich Landstraße statt Autobahn fahren, um ordentlich Gas geben zu können, und die uns nach verschiedenen Drogen fragen, einen Abenteuertripp nach Malicky zu wagen, in der Hoffnung, dort wieder auf die Autobahn zu kommen.

Da es bereits dunkel wird, suchen wir uns zunächst aber erstmal einen Platz im Wald um unser Zelt aufzuschlagen. Mit Sandwiches, Chips, Salzstangen, Zigaretten und einer Flasche Wodka bestens für die Nacht gerüstet, schlafen wir bis in die späten Morgenstunden.

Nachdem sich die Autobahnauffahrt als eher ungeeignet zum Trampen herausstellt, finden wir auf der Karte einen möglichen Rastplatz, ein paar Kilometer weiter nördlich. Also folgt eine kleine Waldwanderung samt Balancierakt über einen umgestürzten Baumstamm, um einen kleinen Fluss zu überqueren. Nachdem wir uns ca. eine Stunde durch den Wald gekämpft haben stellen wir enttäuscht fest, dass der "Rastplatz" völlig zerfallen ist und kein Mensch hier anhält. Erschöpft nehmen wir uns vor, über die Landstraße zu trampen. Doch als wir gerade über die Autobahnbrücke zurück nach Malacky laufen wollen, hält ein Auto in die entgegengesetzte Richtung. Der Fahrer, alleine unterwegs, hat unser CZ-Schild gesehen. Auch wenn wir so einen Umweg fahren, sind wir doch froh, überhaupt erstmal voranzukommen. Und so fahren wir nach Senica.

Ab jetzt haben wir wieder Glück. Unsere zwei slowakischen Fahrer nutzen ihre Ortskentnisse, um uns am Ende der jeweiligen Stadt, auf einer in die richtige Richtung gelegenen Tankstelle abzusetzen. So kommen wir ohne Probleme auch nach Holíc. Dort wiederum treffen wir einen netten Tschechen, der gerade nach Brno unterwegs ist und für uns sogar ein Stück eher auf die Autobahn fährt. Am ersten Rastplatz nach der Grenze lassen wir uns absetzen. Jetzt sind wir wieder auf der gleichen Autobahn, die wir bei Bratislava verlassen haben, nun aber schon auf tschechischer Seite.

Nach einigem Warten und Rumfragen, treffen wir auf einen Tschechen, der uns entgeistert fragt, ob wir vielleicht Ungarn sind. Nachdem wir ihm klargemacht haben, dass wir aus Deutschland sind, ist er plötzlich ganz freundlich, erklärt aber, dass sein Auto leider voll ist. Lustig, denn wenig später findet sich ein Ungar, der fließend Deutsch spricht. Er ist auf dem Weg nach Bremen, zu einem Kunden seiner Firma. Ob er uns drei in Dresden rauslassen kann? Kein Problem! Und so geht's mit fast durchgängig 160 km/h durch ganz Tschechien, sehr nette Gespräche und bequeme Ledersitze inklusive. In Dresden-Südvorstadt lässt er uns raus. Somit haben wir auch rückzu nur 1 1/2 Tage gebraucht - für 930km, und das vor allem zu dritt!

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Eigene Bewertung: Keines

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