Webseite - Beta
Willkommen auf der neuen Webseite von abgefahren e.V.! Die neue Seite ist noch in der Beta Version. Es können hier und da noch Bugs und halb volle Seiten auftauchen. Wer Interesse hat mitzumachen, der meldet sich bitte einfach hier.
Suche in Hitchwiki.org
Suche in Hitchbase.com
Wir nähern uns dem Ende der Saison, ich habe vor kurzem die 10.000km Marke geknackt und will Euch natürlich mein zurückliegendes Abenteuer nicht vorenthalten.
Vom 11. August bis zum 13. September war ich das erste Mal in meinem Leben auf dem Balkan unterwegs. Von den rund 5000km bin ich den Großteil (3800km) getrampt und habe einen Einblick in die Probleme, aber auch die Faszination der einzelnen (West-)Balkanländer erhaschen können. Die getrampten Länder im Einzelnen: Deutschland, Österreich, Slowenien, Kroatien, Italien, Serbien, Kosovo, Mazedonien, Albanien, Montenegro und Bosnien-Herzegowina.
Derzeit arbeite ich noch an einem etwas umfangreicheren Bericht, mit dem ich die vielen Erlebnisse und Bekanntschaften verarbeiten und auch das Interesse anderer an dieser wunderschönen Region wecken möchte. Doch da dieser noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, schreibe ich hier schon mal einen "kurzen" Bericht mit einem besonderen Schwerpunkt auf dem Trampen.
In Dresden ging's los, um genauer zu sein an der Autobahnauffahrt Dresden-Altstadt (in Dresden-Kemnitz). Gestartet sind wir zu zweit, mein Begleiter hatte allerdings nicht so viel Zeit wie ich, so dass wir uns in Belgrad schließlich getrennt haben.
Früh am morgen in Dresden gestartet, verbrachten wir einige Zeit auf Rastplätzen nahe Chemnitz und Salzburg, schafften es aber, nachts in Ljubljana (dts. Laibach), der slowenischen Hauptstadt anzukommen, wo wir schon von unserem CouchSurfing-Host erwartet wurden. Von Salzburg wurden wir direkt vor ihre Haustür gebracht, dank eines Griechen aus Regensburg, der mit dem Auto in seine griechische Heimat unterwegs war.
Nach ein paar Tagen in der slowenischen Hauptstadt trampten wir in nur ca. 3 Studen in den italienischen Balkanausläufer, nach Triest. Dabei hatten wir das Glück, an deutsche Urlauber zu geraten, die nicht direkt über die Schnellstraße, sondern vom Gebirge aus in die Stadt hinein fuhren - ein schönes Panorama. Auch dort wurden wir von CouchSurfern erwartet.
Zwei Tage später gelangten wir mit dem Bus Richtung Muggia an die Autobahn Richtung Kroatien, wo wir auch glatt einen Kroaten erwischten, der uns durch den kleinen slowenischen Adriaküstenabschnitt bei Koper direkt bis nach Porec an die kroatischen Adriaküste im Westen der Halbinsel Istrien brachte, von wo aus wir mit einem Tschechen nach Žbandaj fuhren.
Leider wurde es hier etwas schwierig mit dem Weitertrampen, so verbrachten wir eine Nacht in einem mückenverseuchten Waldstück und wanderten schließlich über Baderna bis zur Autobahnauffahrt Medaki, die sich endlich wieder als trampbar herausstellte.
Die Fahrer eines Pickups, bestückt mit 7 Leuten, hielten zwar, hatten aber zu große Bedenken uns auf der Ladefläche mitzunehmen, da die kroatische Polizei recht streng ist (in Ungarn war das damals kein Problem;), also warteten wir weiter, bis uns ein Kroate, der auf dem Weg nach Pula war, bis zur Autobahnabfahrt Kanfanar brachte, von dort ein weiterer Kroate nach Rovinj, einem schönen Küstenort, der im August leider noch völlig von deutschen, österreichischen und italienischen Touristen überlaufen ist.
Von einer älteren Italienerin in Triest hatten wir einen Tipp bzgl. eines günstigen, etwas versteckteren Zeltplatzes bekommen, also machten wir uns auf die Suche. Zunächst trampten wir mit einem stylischen alten VW-Bus nach Kokuletovica und dort hatten wir das Glück, von einer Mitarbeiterin der lokalen Fahrradvermietung mitgenommen zu werden, die jeden Zeltplatz auf Istrien auswendig kannte. Sie fuhr uns nicht nur nach Bale, sondern auch noch über 5 Kilometer Richtung Adria, bis zur Rezeption des besagten Zeltplatzes.
Es stellte sich heraus, dass es sich um zwei nebeneinander liegende Zeltplätze handelte, die sich kilometerweit im Wald an der Adriaküste erstreckten. Da wir voll bepackt waren, versuchten wir auf dem Fußmarsch Richtung langersehntem Meer natürlich weiterhin unser Glück mit dem Daumen, und so fanden wir uns eingepfercht auf dem Rücksitz eines winzigen Wagens zweier älterer Damen wieder, der bedenklich unter unserem Gewicht (und denen unserer Rucksäcke) ächzte. Da mein Italienisch leider so gut wie nicht vorhanden ist, dauerte es eine Weile bis ich realisierte, was das seltsame Kennzeichen bedeutete: Die beiden waren aus San Marino (GSM).
Nach drei entspannten Tagen voller Sonnen und Schwimmen ging's schließlich weiter, diesmal in Richtung Serbien. Doch zunächst mussten wir durch den breitesten Teil Kroatiens gelangen, was sich als ziemlich schwierig herausstellte, da recht wenig los war.
Vom Zeltplatz starteten wir wieder zu Fuß, doch hoben bei jedem Auto den Daumen, worauf wir bald wieder im Auto eines Kroaten saßen, der zum Einkaufen unterwegs war. Eigentlich wollte er zum "Konzum" nach Rovinj, doch wir wollten in die andere Richtung, also kaufte er eben im ungefähr genauso weit entfernten "Konzum" in Vodnjan ein.
Von dort ging es mit einem jungen Kroatennach Rijeka. Es stellte sich heraus, dass er für den Yachtverkehr in der Adria zuständig war, weshalb er schon Routen für die Yachten von Bill Gates und Denzel Washington geplant hat. Eine sehr interessante Fahrt.
In Rijeka schauten wir uns ein wenig um, bis wir uns auf den anstrengenden (weil bergigen) Weg Richtung Norden machten, von wo uns ein Serbe mit kroatischen Pass mitnahm, der völlig aus dem Häuschen war, als wir ihm erzählten, wir wären auf den Weg nach Belgrad.
In Zagreb hatten wir keine Übernachtungsmöglichkeit gefunden, weswegen wir überlegten, ob wir die Stadt auslassen sollten. Der Serbe ermutigte uns dazu, spendierte uns eine kleine nächtliche Stadtrundfahrt durch die kroatische Hauptstadt und brachte uns dann zu einem Rastplatz Richtung Osten, wo man ohne Probleme übernachten konnte.
Am nächsten Morgen dauerte es auch nicht lange, bis uns ein weiterer Kroate mitnahm, und zwar fast bis zur serbischen Grenze. Leider wurde daraus aber der erste (und einzige) richtige Tiefschlag auf der Tour: Er ließ uns an einem gottverlassenen Parkplatz bei Županja heraus. Deswegen machten wir uns bei glühender Hitze auf den anstrengenden Weg zum etwa 15km entfernten größeren Rastplatz - entgegen unserer eigentlichen Fahrtrichtung.
Unterwegs gerieten wir an die kroatische Polizei, die hier besonders streng war, da wir uns im kroatisch-bosnisch-serbischen Grenzgebiet aufhielten. Doch sie ließen bald von uns ab, als sie merkten dass wir wirklich Deutsche waren - und sie zudem kein Wort Deutsch oder Englisch sprachen.
Der Fußmarsch führte uns durch Štítar nach Babina Greda, wo wir abends völlig erschöpft am Rastplatz abgelangten. Riesige Mückenschwärme machten das abendliche Trampen zur Qual, deshalb bauten wir bald lieber unser Zelt auf, statt die Nacht durchzumachen. Unsere Belgrader Gastgeber machten sich schon langsam Sorgen - "normalerweise dauert das nicht so lange durch Kroatien".
Doch auch am nächsten Tag hatten wir wenig Glück, den ganzen Tag über warteten wir in der prallen Sonne, kein schattiges Plätzchen in Sicht, nicht weit entfernt vom Sonnenstich. Leider war Sonntag und kaum Verkehr in Richtung Serbien unterwegs. Aber es war Durchhalten angesagt, es gab keinerlei Bus oder Bahn in der Nähe und unser Geld wurde auch langsam knapp. Erst am Abend wurden wir belohnt, ein Kroate asiatischer Abstammung, der in Serbien arbeitet, nahm uns mit bis nach Novi Sad.
Die Nacht verbrachten wir in der wunderschönen Stadt, in der wir viele serbische Bekanntschaften knüpften. Mit dem ersten Zug am morgen (und über 60 Minuten Verspätung - "Welcome to Serbia!") gelangten wir schließlich nach Belgrad, wo wir uns schließlich trennten und ich bei zwei unterschiedlichen Gastgebern (alles CouchSurfer) eine Woche lang blieb.
Danach ging es alleine weiter - auf in den Kosovo. Aufgrund der Instabilität an der serbisch-kosovanischen "Grenze" entschied ich mich diesmal für einen Mini-Van, den mir mein erster Gastgeber (der zuvor in Dresden auch schon unser Gast gewesen war) empfohlen hatte. So kam ich extrem günstig und entspannt nach Priština, die Hauptstadt des Kosovo. Hier "surfte" ich die Couch einer Amerikanerin, die - wie so viele internationale Langzeitbesucher - für eine internationale Organisation, gefördert durch UN und EU, arbeitete.
Nach vielen angenehmen Begegnungen mit gastfreundlichen und Deutschland-verliebten Kosovo-Albanern entschied ich mich nun, mein Glück auch im Kosovo zu versuchen. Doch zunächst geriet ich an ein Taxi (die neben internationalen Autos der UN, der EU und der KFOR) den Großteil des Verkehrs ausmachten. Ich beharrte darauf, dass ich trampe, doch er nahm mich auch so bis zur größeren Kreuzung im südlich der Stadt mit, Geld spielte dabei keine Rolle.
Ich hatte einiges über Prizren gehört, einst eine der schönsten Städte des Kosovos, heute leider aufgrund von albanischen Racheakten nach den serbischen Massakern teilweise zerstört und streng von den Deutschen bewacht. Also entschied ich mich, meinen Landsleuten einen Besuch abzustatten, schließlich befindet sich auch der deutsche KFOR-Hauptstützpunkt in Prizren.
Sofort fand ich auch einen Kleintransport, der zwar ein paar Sachen in Štimlje abliefern musste, mich danach aber bis nach Prizren fuhr. Er gehörte zu den wenigen Albanern, die den Ramaddan ziemlich ernst nahmen, so dass er jegliches Angebot, etwas zu trinken ablehnte - erst nach Sonnenuntergang wieder.
Nach einem Rundgang in Prizren, nach wie vor ein beeindruckendes, muslimisch geprägtes Städtchen, machte ich mich auf den Weg Richtung Mazedonien, entschied mich aber für die etwas unwegsame Route durchs Gebirge, statt wieder zurück in Richtung Hauptstraße zu trampen.
Bald schon nahm ich ein Serbe mit, der sehr gut Deutsch konnte. Er brachte mich in sein Dorf, eine kleine serbische Enklave inmitten des Gebirges, wo er mich auf einige Drinks ("Rakia" natürlich) einlud, so dass es bald schon dunkel wurde. Doch das stellte kein Problem da, als ich ihm sagte, ich habe ein Zelt, war unter den Serben schnell ein Grundstück gefunden, auf dem ich die Nacht verbringen konnte.
Schwieriger wurde es, aus dem Dorf wegzukommen. Zum einen traf ich auf alte Bekannte aus der Kneipe vom Vorabend, die sich weiter mit mir unterhalten wollten - westeuropäischer Besuch ist hier selten. Zum anderen wurde ich, kaum dass ich vor einem der letzten Häuser des Dorfes stand, zu Kaffee und Frühstück eingeladen, so dass sich meine Abreise immer weiter verzögerte. Zum Schluss musste ich darauf bestehen, weiterzutrampen, statt noch länger die unglaubliche Gastfreundschaft in Anspruch zu nehmen.
Wieder hatte ich etwas Pech, denn ich geriet an einen mazedonischen Taxifahrer, der allerdings keine Lizenz für den Kosovo hatte und deswegen inkognito unterwegs war. Doch so ganz kostenfrei wollte er mich nicht mitnehmen, dafür aber bis zur Busstation in Tetovo. Also entschied ich mich, das Angebot von 10 Euro für die reichlich 100 Kilometer anzunehmen, und so kam ich nach Mazedonien.
Diesmal entschied ich mich für den Bus, der sich als günstiger als das vergünstigte Taxi herausstellte, so dass ich ohne Probleme bis nach Struga am Ohridsee gelangte. Das Wetter war spitze und der See glasklar, hier wollte ich noch einige Tage verbringen. Nach einem kurzen nächtlichen Fußmarsch ins nächste Dorf fand ich einen der Zeltplätze und freundete mich sofort mit dem Besitzer und seinem Sohn - sehr nette Albaner - an.
Nach einigen sehr angenehmen Tagen in ihrer Gesellschaft fuhr mich der Zeltplatzbesitzer schließlich bis zur albanischen Grenze. Kaum in Albanien, hielt unaufgefordert ein blitzblank polierter Mercedes-Oldtimer mit Augsburger Nummernschild neben mir. Das schönste Auto, das mir beim Trampen bisher begegnet ist. Es stellte sich heraus, dass Fahrer und Beifahrerin in wenigen Tagen heiraten würden, und den Wagen aus diesem Anlass von einem Freund aus Augsburg ausgeliehen hatten.
Unterwegs sollte noch ein Hochzeitsmenü geplant werden, so dass ich mir noch ein umfangreiches Mittagessen gönnen konnte, bevor das Paar plötzlich abrupt bei einer Polizeikontrolle stoppte. Der Fahrer wechselte ein paar Worte mit den albanischen Polizisten und überraschte mich dann, als er mir vorschlug, einfach die Polizisten ein Auto für mich anhalten zu lassen. Er versicherte mir, dass die albanische Polizei sehr cool ist - im Gegenteil zur deutschen ;-)
Und tatsächlich, obnwohl die beiden Uniformierten kein Wort Deutsch oder Englisch sprachen, hatte ich viel Spaß mit ihnen. Sie spendierten mir einen Apfel (langsam war ich echt satt) und spielten mit Trillerpfeife und Kelle herum, während albanische Autos hupend und winkend an ihnen vorbeirasten. Ein Mazedonier hatte nicht so viel Glück - nach einem extrem gefährlichen Überholmannöver (die hier allerdings ganz normal sind), stoppten ihn die beiden und er musste Strafe zahlen.
Bald schon fand sich eine Mitfahrgelegenheit in die albanische Hauptstadt Tirana, am idyllisch zwischen den Bergen liegenden Elbasan vorbei. Auch hier hatte ich über CouchSurfing eine Übernachtungsmöglichkeit gefunden, so dass ich einige Tage in der Stadt verweilte.
Nach Skodra fuhr ich mit dem Zug. Ich hatte einige Abenteuergeschichten über albanische Züge gehört, das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Für einen Euro kommt man durchs ganze Land, aber kaum ein Albaner benutzt sie, da sie viel zu langsam unterwegs sind. Ich war nicht in Eile, also genoss ich die Fahrt in den uralten Waggons, wild aus allen möglichen europäischen Ländern zusammengewürfelt.
In Nordalbanien merkt man dann ganz deutlich, dass man sich in der zweitärmsten Region Europas befindet (dank ihres paranoiden Diktators war Albanien lange Zeit das ärmste Land Europas, inzwischen wurde es meines Wissens durch Moldawien abgelöst). Ich überlegte gerade, ob ich das Risiko eingehen sollte, hier zu trampen, als mich der Fahrer eines Mini-Vans ansprach, der in meine Richtung unterwegs war.
Er war zwar hoffnungslos überfüllt, doch es schien normal, dass einige Passagiere die Fahrt im Mercedes-Kleinbus stehend zurücklegten. Zudem fand sich unter den Fahrgästen ein Albaner, der in England arbeitet und mit seiner englischen Freundin unterwegs war. Er drückte dem Fahrer fünf Euro in die Hand - er solle mich doch bitte noch ein Stückchen weiter - bis zur Grenze nach Montenegro (der Name bedeutet "Schwarzer Berg") bringen.
Nachdem ich dort die übligen Taxifahrer abgeschüttelt hatte und ein wenig an der Gebirgsstraße entlang wanderte, wiederholte sich hier das gleiche Szenario wie schon zuvor auf meinem Weg ins Landesinnere Albaniens: Ein Audi raste zunächst an mir vorbei, um dann im Rückwärtsgang wieder um die Kurve zu kommen. Und das obwohl ich ihn zunächst gar nicht bemerkt hatte, und somit nicht einmal den Daumen herausgestellt hatte.
Es waren wieder Albaner, ein Ehepaar mit ihrem jungen Sohn, neben dem ich mich nun auf der Rückbank wiederfand. Leider war keine Kommunikation mit ihnen möglich, doch als ich mich zum Abschied mit "Faleminderit" auf Albanisch bedankte, strahlten sie mich überrascht an.
So gelangte ich bis in einen Vorort von Podgorica, der Hauptstadt Montenegros. Nach einen Abstecher ins Polizeirevier, wo ich eigentlich meiner Ausländermeldepflicht nachkommen wollte, die mich aber in die Hauptstadt verwiesen, wurde es bereits dunkel. Daher fragte ich in einer der wohlhabenderen Häuse am Stadtrand auf Englisch danach, ob ich mein Zelt auf dem Grundstück aufstellen könne.
Zunächst zögerte das ältere Ehepaar, das hier wohnte, verwies mich dann aber auf das leer stehende Nachbargrundstück, das ihnen ebenfalls gehörte. Doch schon nach kurzer Zeit kam der Ehemann wieder auf mich zu, falls es regnen sollte (weit und breit war keine Wolke am Himmel), wäre es doch besser, drinnen zu schlafen, deswegen verfrachtete er mich in ihr halbfertiges Zweithaus, das als Scheune genutzt wurde.
Zum Einschlafen gab es mal wieder "Rakia", und auch am nächsten Morgen, zum "Munter werden"... :D Frisch gestärkt machte ich mich also auf den Fußmarsch in die Hauptstadt. Im nächsten Vorort fragte ich nach dem Weg ins Zentrum, worauf mir für die letzten Kilometer wieder einmal eine Mitfahrgelegenheit angeboten wurde, die ich natürlich nicht ablehnte.
Nach einem kurzen Rundgang im relativ unspektakulären Podgorica (der Name bedeutet frei übersetzt "am Fuß des Berges") machte ich mich auf den Weg zur Bushaltestelle. Eine gute Idee, wie sich später herausstellte, denn die Gebirgsstraßen nach Bosnien waren alles andere als tramperfreundlich. Schon allein auf der Busfahrt konnte einem ziemlich schnell mulmig werden.
Außerdem lernte ich unterwegs ein junges polnisches Pärchen kennen, mit denen ich den Abend in Sarajevo verbrachte. Leider verpasste ich einen deutschen Freund, der gerade auch vor Ort war, weil niemand damit gerechnet hatte, dass sein Bus aus Serbien an einem anderen, weit entfernten (und zentraleren) Busbahnhof ankam.
Meine EC-Karte hatte seit Albanien leider den Geist aufgegeben, weswegen ich nun noch stolze 5 Euro mein Eigen nennen konnte. Es wurde also Zeit, sich auf den Heimweg zu machen. Kein Problem auf dem Balkan...
Nachdem ich mich auf dem Weg zur Tankstelle noch mit ein paar Bosniaken angefreundet und ihre Gesellschaft genossen hatte, fand ich auf Anhieb die richtige Hauptstraße und zum Glück auch eine hell beleuchtete 24h-Tankstelle - denn trotz überwiegend freundlicher Menschen kann Sarajewo bei Nacht ziemlich gefährlich sein.
Während ich die Nachtstunden an der Tankstelle verbrachte und mich versuchte, mit den seltenen Anhaltern zu kommunizieren, freundete ich mich ein wenig mit dem Tankwart an, der mir schließlich sogar ein Frühstück spendierte. In den Morgenstunden fand er dann auch ein Auto, das in die richtige Richtung unterwegs war.
Nach einem grusligen Abstecher in eine leerstehende, vom Zerfall bedrohte Fabrikhalle, in der mein Fahrer im Stockdunkeln einen Hänger am Auto befestigte, brachte er mich zu einem großen Rastplatz, mitten im Gebirge. Obwohl ich mich hauptsächlich auf die LKWs konzentrierte und nach kroatischen PKW-Nummernschildern Ausschau hielt, erregte ein junger Bosniake meine Aufmerksamkeit, aus dessen Auto laute elektronische Musik tönte - genau mein Geschmack ;)
Er war auf dem Weg seine Freundin abzuholen, aber da ich alleine war, kein Problem. Beide sprachen perfekt Englisch und brachten mich bis nach Mostar, die größte Stadt in Herzegowina. Unterwegs zeigten sie mir noch eine Brücke, die im Bosnienkrieg zerstört wurde, und deren Trümmer noch heute im Flussbett der Neretva liegen.
Auf dem Rastplatz vor Mostar hatte ich wenig Glück beim Trampen, genauso wie etwas später im Gebirge. Dadurch am ich allerdings in den Genuss, ein wenig mehr von Mostar zu sehen - einer sehr schönen Stadt. Am Ortsende fand ich dann endlich die Hauptverkehrsstraße Richtung Kroatien, wo mich auch bald schon zwei bosniakische Sportstudenten mitnahmen, die gutes Englisch sprachen. Sie brachten mich ein paar Kilometer vor die kroatische Grenze und erklärten mir den Weg zu einer gute Stelle zum Weitertrampen.
Leider war sie bereits besetzt - durch eine Radarkontrolle der bonischen Polizei. Also begab ich mich in die nächstliegende Kneipe um einen Kaffee zu trinken, wo ich auf eine junge Serbin traf, die ebenfalls (alleine!) quer durch den Balkan trampte. Nachdem wir, unter den interessierten Blicken der Einheimischen, ein paar lustige Anektoden ausgetauscht hatten, machte ich mich daran, weiterzukommen. Leider war sie gerade auf dem Heimweg, also genau in die entgegengesetzte Richtung. Als Frau hatte sie eigentlich nie mit Wartezeiten zu kämpfen, von einem ihrer Fahrer hatte sie sogar 20 Euro in die Hand gedrückt bekommen. Sie dachte schon, er hätte dabei irgendwelche Hintergedanken, doch er brachte sie brav zu ihrem Bestimmungsort.
Als ich wieder an der empfohlenen Trampstelle ankam, hatte die Polizei bereits Feierabend gemacht. Bald schon erlebte ich eine Überraschung: Obwohl ich mitten an einer Hauptverkehrsstraße stand, hielt ein kroatischer LKW mit quetschenden Bremsen vor meinen Augen - um mich mitzunehmen!
Mit ihm kam ich blitzschnell über die Grenze, nicht einmal mein Pass wurde kontrolliert. Er brachte mich in seine Heimatstadt Opuzen und auch er erklärte mir den Weg zu einer guten Stelle, um Richtung Norden auf die kroatische Nord-Süd-Autobahn zu kommen.
Doch es wurde bereits wieder dunkel und ich hatte die letzte Nacht an der Tankstelle in Sarajewo verbracht, ohne eine Minute Schlaf. Also legte ich mich mit meinem Schlafsack ins nahegelegene Apfelbaumfeld und startete am Morgen wieder durch - in Richtung Heimat.
Gegen Mittag fand ich dann auch endlich ein Auto, das auf die Autobahn unterwegs war. Ein ungarisches Ehepaar, die Frau war Deutschlehrerin. Sie waren auf der Heimreise und boten mir an, mich nach Budapest mitzunehmen. Ich hätte ihr Angebot liebend gerne angenommen, doch mit ein paar Euro wäre ich in Budapest nicht weit gekommen, also ließ ich mich zu einem Rasthof im Norden Kroatiens bringen.
Dort fand ich nach einiger Zeit eine bayrische Familie, der ich sehr gelegen kam, denn der Beifahrer (ab sofort ich) musste die Karte lesen, um das kurze, vignettenpflichtige Stück slowenische Autobahn zu umgehen. Und die Ehefrau war damit beschäftigt, ihrer Tochter aus Harry Potter vorzulesen.
Auch wenn ich mich mit ein paar scherzhaft vorgebrachten Vorurteile bezüglich Sachsen konfrontiert sah (im Grunde war es andersrum genauso;) fühlte ich mich sofort wohl. In Österreich bekam ich dann sogar noch ein Essen im Gasthof spendiert. Mitten in der Nacht setzten sie mich schließlich an einer Raststätte im Bayrischen Wald ab, von wo aus es wieder schwieriger wurde.
Die ältere Dame, die Nachtschicht hatte, bekam Mitleid und gab mir wiederum ein Frühstück aus, nachdem sie seit einiger Zeit Feierabend hatte, fand sich endlich eine Mitfahrgelegenheit: Ein Berliner Kennzeichen! Der Fahrer war zunächst skeptisch. Doch dann erblickte er die Flasche "Sarajevsko" Mineralwasser in meiner Hand und fragte erstaunt, ob ich in Sarajewo gewesen sei. Als ich bejahte, lachte er. Er stammte aus Serbien und war grade auf dem Weg von seiner bosnischen Freundin in Sarajewo zurück nach Berlin. Natürlich nahm er mich mit, alleine schon um zu erfahren, warum zum Teufel ich in Bosnien gewesen bin.
Zwar hätte ich mit ihm nach Leipzig fahren können, aber ich wollte mein Glück noch etwas weiter strapazieren und ließ mich zur Raststätte Frankenwalde bringen, die ich bereits von meiner Tramptour nach Würzburg und Mainz her kannte. Womöglich würde ich dort auf einen Dresdner treffen.
Doch nach drei Nächten "on the road", von denen ich nur eine kurz geschlafen hatte, wurde ich zunehmend von Müdigkeit geplagt, deswegen fragte ich dann doch ein älteres Leipziger Ehepaar, ob sie mich zum Bahnhof bringen könnten. "Nach Leipzsch?" Wenn ich mit dem Hund klarkomme, der mit mir die Rückbank teilen würde, wäre das kein Problem. Der Hund kam auf mich zu und machte Männchen... Das war also geklärt! :D
Trotz rasantem Tempo (durchweg 190km/h) hatte ich Probleme, hinten wach zu bleiben und kaum saß ich im Zug gen Heimat, schlief ich erstmal eine Runde, bevor ich mich nach über einem Monat auf dem Balkan wieder in mein wohlverdientes Bett hauen konnte...
Nach einer kurzen Tour nach Osttschechien vorletztes Wochenende bin ich jetzt bei stolzen 10.360km durch ganz Europa ... aber die nächste Saison kommt bestimmt! Keep going! :)
Meine Tramptouren auf Google Maps

Re: Balkantripp August/September 2009
... nicht schlecht!
danke für den Vorgeschmack ;) werde diesen Sommer ähnliche Wege einschlagen...
Re: Balkantripp August/September 2009
Viel Spaß, pass auf Dich auf und schreib was drüber! :)
Von mir kommt bald ein Bericht über meinen Russlandtrip 2010, St. Petersburg - Dresden mit nem kleinen Umweg über Osttschechien, Start bei -10° tagsüber...
Bin aber schon wieder wohlbehalten im Deutschen Frühling angekommen.
Re: Balkantripp August/September 2009
Sehr geil, Ans!
Du bist schon zu beneiden... ich harre hier in Mittweida aus, während du Europa entdeckst :)
Post new comment