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Berlin-Schweiz

Montagmorgen, 06 Uhr 45, Raststätte Grunewald in Berlin. Ziel heute: Bis am Mittag auf der Raststätte Fränkische Schweiz/ Pegnitz sein, dort die Freundin die von Polen hertrampt treffen und dann mit ihr zusammen in die Schweiz zurückfahren.

Auf Grunewald ist sehr sehr wenig los um diese Uhrzeit. Dafür hat es auch keine anderen Tramper. Alle paar Minuten fährt ein Auto auf die Autobahn. Auf der Tankstelle ist niemand. So warte ich bei der Auffahrt mit A9-Schild. Nach einer Viertelstunde nimmt mich einer mit. Er ist sehr wortkarg und kann mich bis zum Rasthof Fläming bringen - also nur paar km nach Berlin.. immerhin aus der Stadt raus. Unterwegs fahren wir einem ewig langem Stau auf der Gegenfahrbahn vorbei. Ein Autotransporter ist komplett ausgebrannt, alle Autos auf dem Transporter sind richtig zu einem Klumpen geschmolzen, auf der Autobahn stehen 4 grosse Feuerwehrautos.... Dann die nächste Raststätte: Fläming ist doof um bei der Auffahrt zu stehen, weil die Leute von der Tankstelle schon weit vorher auf einer Einzelspur fahren und direkt auf die Autobahn rasen können. Also laufe ich zur Tankstelle und spreche paar Leute an, aber alle sind missmutig drauf oder fahren nicht in meine Richtung. Nach etwa einer halben Stunde kann mich einer bis zur nächsten Raststätte, Köckern, bringen. Immerhin! Er besitzt seit 20 Jahren ein Geschäft für Elektroinstallationen in Grimma bei Leipzig, seine Freundin ist Ärztin in Berlin und hat sozusagen nie frei.

In Köckern warte ich dann nur fünf bis zehn Minuten, dann hält eine Frau an, tatsächlich eine Frau! Sie fährt bei Hof auf die A72, kann mich also bis Frankenhöhe mitnehmen, was schon ein ziemliches Stück südwärts ist. Sie ist Ernährungsassistentin, also zuständig für die Diätmenus in Spitälern. Jede Woche fährt sie zwischen Düsseldorf, Berlin und Bayern herum.. Wir warten in zwei Staus, morgens um 8 Uhr! Sie erzählt mir, dass sie ständig länger arbeiten muss und dass schon zwei Wochen Ferien ein Problem seien. Wenn sie aber mehr Freizeit verlangen würde oder ihrem Chef sagen würde, dass sie auch noch leben möchte, nicht nur arbeiten, dann riskierte sie ihre Stelle.. Auch sonst seien alle extrem unter Druck. Was bei ihnen Reinigungskräfte verdienen, sichere kaum das Existenzminimum, aber die Firma könne schlichtweg nicht mehr bezahlen wegen dem ganzen Konkurrenzkampf. Hmm.. fast jede Fahrerin, fast jeder Fahrer erzählt mir solche Sachen. Dass sie arbeiten bis zum umfallen und sich nicht getrauen, sich zu wehren, weil es schon ein Wunder ist dass sie diese Stelle bekommen haben.

In Frankenhöhe steige ich aus und muss nicht mal fünf Minuten warten. Schon hält ein Ehepaar an, das nach Nürnberg fährt. Ich muss ja nur noch eine Raststätte weiter, weil ich dort die Freundin aus Polen treffe. So fahren wir also die A9 runter. Plötzlich befielt das GPS, auf die A70 abzubiegen, wegen Baustelle und Stau. Meine Fahrer würden auch so nach Nürnberg kommen - ich aber würde sowohl die Raststätte Fränkische Schweiz verpassen wie auch sonst ein Problem bekommen, da auf der A70 über Erlangen keine Raststätte mehr kommt bis Nürnberg. Ein innerlicher Panikanflug.. Zum Glück sehen sie meine Lage und erbarmen sich. Bei jeder Ausfahrt macht die GPS-Stimme einen auf Terror, aber sie fahren stur geradeaus. Da wahrscheinlich die meisten Autos auf die A70 gefahren sind (es haben ja praktisch alle GPS) haben wir nun auch keinen Stau. Sehr schön. Punkt 12 (!) bin ich auf der Raste Fränkische Schweiz. Meine Freundin ist erst gerade in Dresden losgefahren und wird so in anderthalb Stunden da sein.

Kurz nach halb 2 kommt sie dahergefahren - mit einem Fahrer, der bis Karlsruhe fährt!! Er ist superlieb, wir unterhalten uns blendend, und einige Stunden später steigen wir auf der A5, Raststätte Bruchsal, aus.

Wieder an der Ausfahrt, mit CH- und Basel-Schild, hält nach zehn Minuten ein Auto mit Berner Kennzeichen an. Es ist ein Pianobauer und -händler, im Auto läuft wunderschöne Klaviermusik. Er weiht uns in die geheimnisvolle Welt des Klavierbaus ein, ausführlich aber zum Glück interessant. 50km vor Bern steigen wir aus, auf der Raststätte Deitingen, in der Hoffnung, bald nach Biel mitgenommen zu werden. Tatsächlich hält nach 20min eine Frau an, die uns nach heim bringt. Um 21 Uhr sind wir da.

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Eigene Bewertung: Keines
quarim's picture

Re: Berlin-Schweiz

fein. so einfach ist das!

interessant, mir erzählen auch viele leute, dass sie froh sind arbeit zu haben und die nehmen auch fast immer alles in kauf um hauptsache ihre stelle zu behalten. das finde ich schade, die leute sollten sich mehr trauen, wenn sich mehr leute trauen würden was zu sagen, dann wär es auch nciht mehr gefährlich die stelle zu verlieren. naja ich sag das meinen fahrern auch manchmal, aber durch die blume :)
schönen sommer noch, aber was red ich, ich muss ja auch arbeiten :) !!!

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